Lieser.at - die Webseite, die den Fluss laufen lassen will

Die Lieser

Ansichtskarte, Seebach 1908
Seebach 1908

Die Lieser ist immer noch einer der schönsten Flüsse Kärntens. Sie entspringt im hinteren Pöllatal mitten aus einer Felswand und würde wohl auf ihrer 50km langen Reise bis zur Mündung in die Drau zu einem mächtigen Wildfluss anwachsen, wäre da nicht nach einem knappen Kilometer die erste Wasserableitung zur Stromgewinnung Richtung Speichersee Galgenbichl/Kolbnitz. Im Oberlauf durch das Pöllatal bleibt also ein gemächlich mäandrierendes Bächlein in einem naturbelassenen Tal. Ein Kleinod für Wanderer und Fischer. Erst ab Rennweg nimmt das Tal den Namen des Flusses an. Nebenbäche wie der Kremsbach oder der Leobenbach lassen die Lieser langsam zu einem Fluss anwachsen.

 

Wie der Name der Stadt Gmünd schon vermuten lässt, ist hier die Mündung des ehemals größten Nebenflusses der Lieser. Heute plätschert der verbliebene Rest der Malta aus dem gleichnamigen Tal, das auch den stolzen Namen „Tal der stürzenden Wasser“ trägt. Gerecht wird es diesem Namen schon lange nicht mehr. Nur der Wasserfall beim "Faller" wurde noch nicht der Energiegewinnung geopfert.

 

Ab Gmünd ist der Lieserfluss nach Regenperioden und im Frühjahr schon so mächtig, dass er neben den Fischern auch den Kanuten Freude bereitet. Zahlreich erscheinen letztere von Ostern bis zum Spätsommer, um das naturbelassene Wildwasser zu genießen.

 

Auf der Höhe von Seeboden mündet der Seebach in die Lieser. Hier beginnt die Lieserschlucht. Das Wasser wird merklich wärmer und die wildwassertechnischen Schwierigkeiten steigern sich um einen Grad. 

 

Dieser Flussabschnitt zwischen Seeboden und Spittal, der vor 150 Jahren noch unzugänglich war, stellt heute die Hauptverkehrsverbindung zwischen dem Millstätter See und dem Drautal dar.  Eine Schlucht, die trotz des großen Verkehrsaufkommens immer noch als Naherholungsgebiet für Fischer, Wanderer, Läufer, Kanuten und vielleicht auch bald Radfahrer im Großraum der Sportstadt Spittal und der Tourismusgemeinde Seeboden gelten kann. So wurden dort in den 1960er und 1970er Jahren insgesamt drei Weltmeisterschaften  und 1986 eine Juniorenweltmeisterschaft ausgetragen. Der Schatten des Waldes und das Rauschen des Flusses lassen auch heute noch den Alltag vergessen und bilden den subjektiv beeindruckendsten Abschnitt des Lieserflusses.

 

Beim Marienheim weitet sich schließlich das Tal und wir erreichen die Stadt Spittal. Alpenländischer Tradition folgend wird bei einem großen Holzwehr das Wasser abgeleitet und steht mehreren Betrieben im Stadtgebiet zur Energiegewinnung zur Verfügung, bevor nach einem letzten 5m hohen Betonwehr der verbliebene Rest des Lieserwassers die Drau erreicht.

 

Unter dem Deckmantel der "sauberen und nachhaltigen Energiegewinnung" haben wir es in den letzten 100 Jahren geschafft, viele Flüsse in der Alpenregion mit Kraftwerken zu verbauen oder mit Rohrleitungen trockenzulegen. Ist es notwendig mit einer Vielzahl von Kleinkraftwerken, wie auch das Lieserkraftwerk eines werden würde, Gebirgsflüsse in Rohre zu leiten und trocken zu legen? Um einen Bruchteil unseres Strombedarfes zu erzeugen und auf Kosten unserer Natur  Investoren Gewinne erzielen zu lassen, die sicher nicht uns zugute kommen!

 

Noch fließt die Lieser und wir wollen, dass das so bleibt!